Liebe Mutter

leftalein
Liebe Mutter


Ich schreibe dir diesen Brief weil ich dir meine Gedanken
leider nicht mehr mitteilen kann.
Oh nein du bist nicht von mir gegangen-du lebst-du bist körperlich gesund
und darüber bin ich sehr froh.
Ich erinnere mich noch an meine Kindheit-oh ja sehr gut sogar und es
kommen immer mehr Gedanken die mich beschäftigen und die mich zum
Erinnern zwingen..............
Ich versuche mich zu erinnern ob du mich jemals geliebt hast-ob
du mich jemals in den Arm genommen hast oder mir zughört hast.
Hast du dich für meine Probleme in der Schule interessiert?Für den
Nachbarsjungen in den ich soo sehr verliebt war-hast du gewusst wie
sehr ich mir damals meine erste Jeans gewünscht habe?
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Nein all das hast du nicht gewusst denn du hast immer nur gearbeitet-
hast für deinen mann,meinen Vater gelebt-wie kinder liefen nebenher.
Nicht schnell genug konnte ich fort von dir und meinem Zuhause.
Suchte Liebe und Glück in der Fremde und ich fand sie auch gottseidank.
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Und nun sitzt du da in deinem Schaukelstuhl uns starrst hinaus in das Leben.
Deine Augen haben keinen Glanz mehr-hatten sie den eigentlich überhaupt?
Ich kann mich nicht mehr erinnern.....................
Dein Geist ist nicht mehr derselbe und du lebst in einer anderen Welt.
Diese Welt ist uns fremd und du kannst dich mir nicht mehr mitteilen.
Während ich das schreibe laufen mir die Tränen einfach davon denn .oh mann
wie gerne würde ich dich noch einmal ganz fest drücken in der verdammten
Hoffnung das du mich erkennen und spüren könntest.
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Wenn ich bei dir bin halte ich stundenlang deine Hand obwohl ich das eigentlich gar nicht möchte-warum tue ich es dann??Warum??

Ich glaube ich habe dich trotzallem geliebt auch wenn du meine Liebe
nie haben wolltest.
Ich werde dich so geniessen wie du jetzt bist und werde einfach in Gedanken
bei dir verweilen und vielleicht-vielleicht treffen sich unsere Gedanken irgendwo
da draussen ohne zu wissen das wir uns kennen.

Ich liebe dich Mutter
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DSP
traurig-schön.... gut geschrieben..... wie lang ist es her, dass du gegangen bist, wenn ich fragen darf...?
leftalein
Hallo DSP

Ixh weiss aus meinen Zeilen ist es nicht ersichtlich aber ich bin nicht
gegangen sondern meine Mutter musste leider gehen.
Sie starb nicht oh nein sondern sie leidet an einer Krankheit die
man Demens nennt.
Sie vergisst immer mehr was war und leider auch was ist.
Eines Tages wird sie vergessen wer ich bin-wer ihre Enkelkinder
sind und davor habe ich schreckliche Angst.
Es ist der Augenblick gekommen um alles über Bord zu werfen
und einfach nur verzeihen zu können und glaube mir es
foel mir furchtbar schwer den jetzigen Zustand zu akzeptiern-
nein ihn erkennen zu können und damit zu leben.
Meinen Kindern fällt es sehr schwer und sehr oft müssen
sie weinen.
Ich habe verziehen und ich liebe sie.

Sorry aber ich musste mir einfach Luft machen und dann ging
es mir wieder besser.
Danke fürs Lesen



leftalein
Rabenmaedchen
*tränen in den Augen hab*
Das ist so... Ich weiß es nicht... Es ist wirklich einfach... Dafür gibt es glaub ich gar kein wort, dsa so wirklich beschreibt, was ich jetzt fühle.
Es rührt mich einfach zu Tränen. Vor allem, weil meine Uroma, als es ihr schon sehr schlecht ging, auch immer mehr und mehr abwesend war... Und uns nicht mehr erkannt hat, obwohl wir immer bei ihr waren, wenn meine Eltern arbeiten waren...
pit30
Hallo Leftalein.....

Genauso wie Rabenmaedchen habe ich Erfahrungen mit dieser Krankheit, und weiß wie schwer das sein kann.....

*Etwas die worte fehlen.....*

Ich wünsche Dir und Deiner Familie viel Kraft für diese schwere Zeit....

Biba sash
Rabenmaedchen
Na bei meiner Uroma war es nicht Demens... Einfach die Verwirrung... Sie war halt ziemlich Krank und mit den Schmerzmitteln etc...
leftalein
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Wisst ihr man steht einfach daneben und kann nichts tun-nichts!!!!!!!
Du hörst einen menschen reden und du verstehst nicht was er
dir sagen möchte................
Dann plötzlich hörst du Worte wie......Mein Kind warum bin ich so dumm geworden..........hilf mir da raus.......................
Selbst jetzt als ich diese Worte schrieb liefen mir die Tränen
herunter und ich kann gar nichts dagegen tun.
Oh mein Gott da läuft ein Mensch,der mitten im Leben stand vor ein
paar Monaten einfach verwirrt herum und merkt es nicht.
Nicht das das reichen würde nein nun sieht sie auch jeden Tag immer
schlechter und kann nur noch wahrnehmen.
Ich habe Höhen und Tiefen.
Ich klammere mich an jedes Lächeln von ihr und verzweifle,wenn
sie einfach im Zimmer steht und alle Kleider vom Leibe reisst und
nicht weiss warum sie das tut.
manchmal kann ich nicht mehr und weine ganz bewusst und laut
vor mich hin
Ich bedauere mich und das muss einfach sein denn wenn ich mein
Weinen höre das tut gut -fragt nicht warum es ist einfach so.
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Es tut gut eure liebenswerten Zeilen zu lesen und ich fühle mich total
von euch umarmt.
Danke......................................
schnuffelchaen
hallo leftalein,

darf ich fragen warum deine mama plötzlich an demenz leidet? meistens gibts dafür ja einen grund...

was du vllt machen kannst, sprich sie auf dinge an, die lange zurückliegen...viele demenz-kranke können sich daran noch erinnern, weil das langzeitgedächtnis die informationen anders abspeichert als das kurzzeitgedächtnis...

meine omi is leider auf stark dement...das kann einen ganz schön fertig machen...weil man sich so hilflos fühlt...aber ich denke, dass sie weiß, dass du da bist und sie spürt auch deine zuneigung...gib das auf keinen fall auf!!

ich wünsche dir sehr viel kraft, das alles durchzustehen!!! zusammen
leftalein
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Nun wnn ich das wüsste wie das gekommen ist.
Meine Mutter hatte vor vielen Jahren einen Hirnschlag aber es
war nichts zurückgeblieben.
Dann musste ich sie vor ein paar monaten ins Krankenhaus bringen
weil sie einen darmdurchbruch hatte.
Tja und seit der Narkose ist es so und man kann niemanden dafür
verantwortlich machen denn sie ist nicht mehr jung und die Ärzte
sagen mir das eben während dieser OP einiges im Hirn
zerstört worden ist nur ohne OP wäre sie nicht mehr hier.
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Ich brauchte lange um diese Situation zu begreifen und sie einfach so zu
nehmen wie sie eben ist und viele Abstriche machen.
Ich nehme sie nun öfters in den Arm und geniesse einfach ihre
Nähe die sie übrigens früher nie haben wollte.
Ich denke ich werde mich daran gewöhnen das meine Mutter eben
nun so sein wird und ich muss das Beste daraus machen.


Ich möchte mich bei euch allen sehr lieb bedanken dass ihr mir durch
euer Lesen Zeit geschenkt habt und euch die Mühe machtet
euch mit meinem Problem zu beschäftigen.

Vielen herzlichen Dank

euer leftalein :herzsmilie::herzsmilie:
SmilingAngel
Wow..... Das bringt einen richtig zum nachdenken....
Wie froh man doch eigentlich sein kann, eltern zu haben die einen lieben....
*dich in arm nehm*
Das ist wirklich sehr gut geschriebn auch wenn der inhalt einfach nur zum heulen ist....
*tränen in den augen hab*
Ich wünsche dir, von ganzem herzen, dass sich die gedanken deiner mutter und deine bald treffen werden, egal wo... hauptsache irgendwo und nicht nirgendwo...
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