Er hat sich so sehr verändert...

Amira
Hallo... ich brauche mal ganz dringend einen Rat. unglücklich

Es heißt ja, wenn man einen Menschen liebt, dann soll man ihn so akzeptieren wie er ist... aber was, wenn sich ein Mensch plötzlich so sehr verändert?
Ich komme mit meinem Freund nicht mehr klar...
Er war sechs Wochen in Therapie, wegen Depressionen, nimmt seitdem auch Medkamente.
Ich komme mit seiner Art einfach nicht mehr klar... das klingt jetzt total sch*iße, ich weiß... aber er ist mir manchmal wirklich peinlich!
Er mischt sich in Dinge ein, die ihn nichts angehen, es ist ihm sch*ißegal was andere von ihm denken, er fällt echt immer auf!
z.B. vor kurzem: Er hatte morgens einen Termin beim Psychiater und musste sich vorher noch eine Überweisung beim Hausarzt holen. Die Praxis war ziemlich voll und wir waren spät dran, und mein Freund war total hibbelig und fing dann auch noch an, ständig so genervt zu seufzen. Die Leute haben ihn schon alle angestarrt! Ich fand das einfach nur peinlich!
Auch wie er inzwischen rumläuft... er wirkt teilweise schon fast ein bisschen ungepflegt. (Duschen tut er jeden Tag und seine Kleidung ist sauber, aber seine Haare z.B. - das geht einfach gar nicht!)
Er ist viel gereizter als früher. Was andere von ihm denken, das ist ihm egal - aber er selbst regt sich ständig auf!
Wisst ihr, ich kenne ihn als ruhigen, lieben, sensiblen Menschen... und jetzt ist er plötzlich so anders.
Ich kann das ja nicht mal richtig berschreiben.
Ich hatte ja erst Angst, dass ich mir das nur einbilde, aber andere haben das auch gemerkt. Ein Freund von mir meinte, diese Entwicklung wäre "erschreckend".
Aber was soll ich denn machen? Ich kritisiere ihn ständig... aber ich will ihm doch nicht wehtun!
Ich wünsche mir einfach nur, dass er wieder so ist wie früher. heulen
spirit05
hey,also peinlich solte dir sein verhalten nicht sein,andere menschen denken immer das was sie wollen,erst wenn sie selbst betrifft dann sind sie anders.gehst du mit zu seinem Psychiater ? weil der hat bestimmt für dich hilfen etc wie du mit der situation umgehn kannst bzw sollst.ich denke mir schon das es schwer ist.wenn du ihn wirklich liebst dann versuch ihm zu helfen und sei da für ihn auch wenn es schwer ist oder wenn es ganz schlimm ist dann sorry frag ihn mal ob er nicht ihn eine einrichtung gehn möchte für einige woche wo er profi. hilfe bekommt. bitte nicht falsch verstehn. wünsche dir bzw euch mal ganz veil kraft....warum hat er den diese depris ?

LG
nocturna
...es gibt super tageskliniken, wo er halb acht frühs kommt und dann gegen drei wieder nach hause geht...leiedr sind die listen lang...eigentlich müsste es davon viel mehr geben...
klar ist das verhalten nicht angenehm für dich, aber bei den medikamenten sind bestimmt auch stimmungsaufheller mit dabei und da ist es nun mal so, dass die persönlichkeit sich verändern kann...
ich geben spirit recht...frag doch, ob du bei den terminen beim psychiater mit dabei sein kannst...
Amira
Er war ja schon in der Tagesklinik... und als er da fertig war, fing das an.
Wenn ich mit ihm alleine bin, dann ist er meistens "normal"... aber wenn andere dabei sind, irgendwie nicht. :/
Er ist auch viel schneller genervt als früher. Und manchmal will er nicht mit mir reden oder sich mit mir treffen. Ich hab so eine Angst, dass das an mir liegen könnte! unglücklich

Ich glaube, ihr meint Psychologen (= Therapeuten), nicht Psychiater, oder? Im Moment ist er nicht in Therapie... er steht noch auf der Warteliste.
Toffi
Tja scheinen wohl die Mediakamente das problem zu sein, solche Hämmer die meistens gegen depressionen verschrieben werden sind ja nicht ohne nebenwirkungen... Das Preperat wechseln wär vll ne alternative um das zu testen. das du auch bei ner Therapie dabei bist wäre bestimmt für dich auch sehr aufschlussreich, nur ist die frage ob er dann auch so ist wie wenn du nicht dabei wärst...
like-sunshine
Ich glaube nicht, dass es an dir liegt - dass solltest du dir nicht einreden. Sein Verhalten wird mit seiner Therapie und den Medikamenten zusammen hängen - diese Dinger sind meistens ziemliche Hammer. Und ich weiß durch meine Freundin, dass man manchmal danach ziemlich komisch ist. Ich kenne das von ihr persönlich. Wenn er wieder in Therapie kommt - versuche mit zu gehen.
spirit05
An dir liegt es bestimmt nicht,ist die situation allg.(medis,thera,umfeld etc ) und er ist evtl mit sich selbst nicht zu zufrieden,ihm geht es zu langsam etc.
versuch dich nicht selbst fertig zu machen,bekommst du eine genaue auskunft evtl von seinen Psychologen ? (ich weiss schweige pflicht etc) aber fragen kann man ja mal.. was genau mit ihm los ist? weiterhin viel kraft

lg
Amira
Ich bin gerade total durcheinander... unglücklich
Ich habe heute mit meinem Freund telefoniert...
Es ist so, dass es da eine Sache gibt, die der Auslöser dafür war, dass es ihm wieder so schlecht ging, dass er in Therapie musste...
Mir war aufgefallen, dass dieses Thema für ihn nicht mehr von Bedeutung zu sein schien... Das hat mich sehr gewundert, weil er selbst gesagt hat, dass er diese Sache niemals vergessen könnte und das ihn das wohl den Rest seines Lebens verfolgen würde... deshalb war ich erstaunt, dass er plötzlich so gut damit klarzukommen schien.
Das habe ich dann heute während dieses Telefonates angesprochen...
Das Gespräch lief folgendermaßen:
Ich: "Ich finde das irgenwie total komisch... diese ganze Sache von damals scheint für dich plötzlich gar nicht mehr von Bedeutung zu sein."
Er: "Welche Sache?"
Ich: "Das, was damals geschehen ist... Das war doch eigentlich der Auslöser, dass es dir wieder so schlecht ging, oder etwa nicht? Es wundert mich total, dass du plötzlich so gut damit klarkommst."
Er: "Ich habe irgendwie gerade absolut keine Ahnung, wovon du sprichst!"
Ich: "Na, diese Sache damals... was da passiert ist... Du weißt doch, was ich meine!"
Er: "Nein... wirklich nicht... ich habe absolut keine Ahnung, wovon du sprichst!"
Ich habe in dem Moment gedacht, das kann doch nicht sein Ernst sein... und dann habe ich ihm gesagt, was ich meine...
Und dann hat er mit einem Mal so angefangen zu weinen! Ich habe einen totalen Schreck bekommen und ihn gefragt, was denn los wäre... und er hat so sehr geweint...
Und in dem Moment habe ich es erst realisiert...
Er hat es verdrängt. Er hat dieses ganze Thema einfach aus seinem Gedächtnis gestrichen.
Das kann doch einfach nicht wahr sein... Warum ist mir das nicht früher aufgefallen?
Ich war sehr darüber verwundert, dass es ihm plötzlich besser ging... und dass er plötzlich so gut mit dieser Sache klar kam...
Aber dass er das einfach vergessen hat... damit habe ich absolut nicht gerechnet.
Ich weiß gerade gar nicht, was ich denken soll... Ging es ihm nur besser, weil er den Grund dafür, dass es ihm so schlecht ging, aus seinem Leben verbannt hat? Wird es ihm jetzt wieder genau so schlecht gehen wie früher? War das der Grund dafür, dass er mir so verändert vorkam? Ist das der Grund für die ganzen Missverständnisse? Haben wir deshalb ständig aneinander vorbei geredet? Weil ihm ein so großer und wichtiger Teil seines Lebens fehlte? Weil ich die ganze Zeit über etwas bescheid wusste was geschehen war, und er nicht?
Ich bin total durcheinander! unglücklich
like-sunshine
Er wußte zu 100% über das Thema Bescheid wie du auch - aber er verdrängt es - er vergißt es nicht, aber es ist in eine Schublade eingeschlossen und soll da nicht herauskommen (mal bildlich gesehen). Es gibt dann bestimmte Punkte, die auslösen, dass alles wieder kommt. Ihm ging es deswegen nicht gut, nur weil er es verdrängt hat - es wird sein Leben bestimmen, solange er es nicht verarbeitet hat. Allerdings versucht er sein Leben irgendwie in Griff zu bekommen und das paßt das Thema nicht hinein und soll deswegen draußen bleiben.
Ich weiß leider wie du dich fühlst - ich kenne das von meiner besten Freundin - es geht ihr lange Zeit gut, dann ist die Schublade gut verschlossen. Dann kommt der Punkt, an dem irgendwas passiert - und alles ist wieder da. Sie kann auch sehr gut verdrängen - weiß nicht ob das immer so gut ist. Ich hatte letztes Jahr leider eine sehr schmerzhafte Erfahrung damit klar kommen zu müssen, dass sie es verdrängt. Wir waren ein Wochenende zusammen - hatten super viel Spaß, haben gelacht - es schien alles bestens. Wir hatten uns sogar fürs nächste Wochenende verabredet - wieder so einen genialen Weiberabend - ich habe die ganze Woche nix gehört - habe ihr geschrieben - keine Antworten. Eine Woche später rief sie an: "Ich wollte es dir persönlich sagen - nicht per SMS, aber wir konnten uns nicht sehen - ich lag auf der Intensiv - ich wollte abschließen!" und hätten Nachbarn sie nicht "gerettet", wäre sie heute nicht mehr. Das hat mir die Augen "geöffnet" - sie weiß über alles in ihrem Inneren Bescheid, aber nach außen möchte sie es nicht lassen.
Ich weiß nicht, aber wenn ich deine Geschichte lese glaube ich, dass es bei deinem Freund nicht anders ist. Er versucht das Ganze was passiert ist zu verdrängen und sein Leben trotz des ganzen zu leben. Er versucht sich "einzureden" als wäre nichts passiert - aber tief in Innerem weiß er es. Es wird wohl immer und immer diese Tiefpunkte geben - egal durch was ausgelöst.

Ich schicke dir ganz viel Kraft, denn ich denke die kannst du und dein Freund ganz gut brauchen. *tröst*
Amira
Danke, sunshine... depri

Ich weiß gerade einfach nicht, was ich tun soll... Dass er dieses Thema wirklich monatelang einfach aus seinem Gedächtnis gestrichen hat....
Moantelang ging es immer nur um dieses eine Thema. Dass es ihm so schlecht ging, dass hatte alles damit zu tun. Er hat geweint deswegen... so sehr. Es kam ein Punkt, da hat er sich jeden Tag die Arme aufgekratzt.
Und als er dann in Therapie kam... Vielleicht konnte er es deshalb verdrängen, weil ich die einzige war, die davon wusste. Und als wir uns dann wegen der Therapie so selten gesehen haben, ist dieses Thema immer weiter weg gerückt. Bis ich es gestern angesprochen habe.
Vor allen Dingen seine Reaktion macht mir Angst... Dass er mit einem Mal in Tränen ausgebrochen ist, und wie er geredet hat... genau wie früher. Und kurz darauf wollte er dann auflegen, und ich meinte noch: "Komm jetzt bitte nicht auf dumme Gedanken..." Und er meinte: "Werde ich schon nicht." Und ich meinte: "Versprochen...?" Und dann hat er gesagt: "Tut mir leid... aber das kann ich dir nicht versprechen."
Er klang wieder ganz genau wie früher... Und das macht mir Angst.
Es ging ihm ja besser nach der Therapie. Nicht wirklich gut, aber sein Zustand war ziemlich stabil.
Was, wenn das wirklich nur deswegen war, weil er dieses eine Erlebnis verdrängt hatte?

Ich weiß nicht, was ich tun soll... Er hat sich seitdem nicht gemeldet... Ich weiß nicht, ob ich mit ihm darüber sprechen soll... oder ob ich so tun soll, als hätte dieses Gespräch niemals stattgefunden?
like-sunshine
Das Gespräch hat statt gefunden - streiche es nicht. Du kannst für ihn da sein. Gib ihm das Gefühl, dass er sich zu 100% auf dich verlassen kann. Es tut gut zu wissen, dass jemand da ist. Eins noch - versuche ihn nie zu diesem einem Versprechen zu zwingen - er wird es dir nie geben können. Es kann für ihn zum innerlichen Kampf werden. Wie gesagt besser ist, wenn er das Gefühl hat sich zu 100% auf dich verlassen zu können. Du immer da bist - egal in welcher Verfassung er ist. Leider weiß ich wie schwer es ist. Ich habe es zwar nicht beim Partner, aber bei meiner besten Freundin. Ich weiß wie sehr diese Versprechen auf ihr liegen - ich weiß wie sehr sie darunter leidet, dass es Menschen gibt, die dies von ihr verlangen oder auch die ihr Vorwürfe machen.

Vielleicht rufst du an und fragst was er denn heute vor hat - versuche nicht auf das Thema hin zu kommen. Wenn er drüber sprechen will - wird er es. Biete ihm einfach an, dass du immer da bist - er sich jederzeit melden kann. Manchmal tut das bereits gut.

Wenn ich meine Meinung zu einer Therapie sage weiß ich nicht wie ich ankomme - allerdings erlebe ich es bei meiner besten Freundin, dass sie von einer Therapie in die andere geht. Nach ihrem suizidversuch hat sie sich freiwillig eingeliefert - die erste Zeit war gut - man hatte das Gefühl, es wird besser - sie hatte auch wieder Lebensmut geschöpft, aber wie sie immer wieder selber gesagt hat: "Hier in der Klinik bin ich abgeschottet - hier passiert mir nichts - hier bin ich weg von den Problemen!" Ich weiß nicht was bei deinem Freund alles dahinter steckt, aber ich weiß, dass es bei meiner Freundin verschiedene Auslöser gab. Je länger sie in der Klinik war umso mehr hatte man das Gefühl dass sie wieder abbaut - sie war wieder mehr und mehr unzufrieden mit sich. Jetzt ist sie da raus und in eine Traumaklinik - auch da hieß es anfangs: "Ich glaube das bringt mir was" und Lebensmut war wieder zu spüren. Und nach relativ kurzer Zeit war dieser Lebensmut wieder verflogen und es schaut nicht rosig aus.

Man kann das Vergangene nicht vergessen machen - man kann nur eine helfende Hand sein, denn du kannst das Erlebte deinem Freund nicht entziehen.
spirit05
ich schliess mich da mal like-sunshine an bis auf die sache mit der therapie..sorry aber aus berufl.praktikas,etc..weiss ich das es auch ganz anders sein kann und sie hilft...wichtig ist aus meiner sicht ..die person selber wie sie wirklich dazu steht und ihr umfeld und wie es danach weiter geht...weiterhin viel kraft dir wünsche.
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