BlueStar
Im Wichtelwald
Wildes Schneetreiben wirbelte über die Baumwipfel. Der Winter ergoß seine weiße Pracht mit Übermut über die Tannen und Lärchen, die unter der Last zu ächzen begannen. Glänzende Eiszapfen hingen an den Felsen, wo der Wasserfall zu fester Masse erstarrt war. Das Sonnenlicht war verborgen hinter dicken Wolken an diesem Nachmittag. Niemand, der unterwegs war im Winterwald sollte ahnen, daß hier Leben herrschte, tief drinnen, versteckt im Innern des Ringwaldes. Wenige verirrten sich überhaupt dorthin, nur selten und keiner nahm die Düfte und Wärme zur Weihnachtszeit dort wahr, noch hörte jemand, wie die Wichtel ihr Fest dort feierten. Ein fröhlicher Ball, fast nur mit Verwandschaft und besonderen geladenen Gästen. Ein Rausch von Speisen und Heiterkeit begleitet von Querflötenmusik und sinnlichen Momenten sanfter Harfenlieder.
Jenny wanderte durch den Nachmittag auf dem Weg zu ihrer Großmutter, der sie einen Besuch abstatten würde, um übers Wochenende dort zu bleiben. Meist lebte sie bei Ihren Pflegeeltern in der Stadt, doch diesmal hatte sie sich morgens heimlich davongestohlen, um dem neu-reichen Getue am Heiligabend zu entgehen. Ihre allesamt deulich jüngeren Stiefgeschwister in der Pflegefamilie hatten ihr das ganze Jahr zugesetzt und sie sehnte sich nach Ihrer Großmutter und der beschaulichen Stille am Kamin, mit Bratapfelduft und Kuschelei. Man hätte sie nicht gehen lassen, wenn sie darum gebeten hätte, daher fand sie mit ihren 12 Jahren war es Zeit, eigne Wege zu ergründen und ihr Leben zumindest heute einmal in eigne Hände zu nehmen. Sie ahnte nicht, daß sie eine entscheidende Weiche in ihrem Leben gestellt hatte: „...eigne Wege...“ Pfeifend setzte sie raschen Schrittes ihren Weg durch den Schnee fort. Sie wollte vor Einbruch der Dunkelheit da sein.
Räucherduft umwehte die Stille, als Gwandolin seine Pfeife entzündete und durch den Kamin, den er gerade säuberte, den Rauch hochblies. Es war noch 2 Stunden Zeit, bis alle erwachen würden und er, als Oberwichtel, hatte wie jedes Jahr die Aufgabe, allen eine Überraschung zu bereiten. Seine Wichtelfrau Swantje stand derweil geschäftig in der Küche und buk Plätzchen was das Zeug hergab. Zimt und Muskatduft waberte durch die Räume und heißer Orangen-punsch wallte im gußeisernen Kessel vor sich hin und tat sein übriges, eine heimelige Atmosphäre zu verbreiten.
Zufrieden stocherte Gwandolin in der Asche, schichtete dann neuen Tannenreisig auf, der besonderen Duft verbreiten sollte und befragte in Gedanken seinen Urgroßvater, der schon lange tot war, jedoch jedes Jahr um die Zeit vorbeizuschauen pflegte und ihn beriet, wie er die Weihnachtsfeierlichkeiten aufpeppen könne. „Du wirst Besuch erhalten“ flüsterte es auch schon aus der gerade enflammten Glut im Kamin. „Ein Mädchen wird kommen, sie ist allein... auf der Suche nach ihrer Großmutter. Hilf ihr...“ dann zischte es, als ein feuchter Tannenzapfen spritzend Feuer fing und die Stimme erlosch. „Himmel“, dachte Gwandolin, sein Urgroßvater verstand sich aber auf Rätsel! „Was das wohl zu bedeuten hatte? „ dachte er und nahm einen tiefen Zug aus der Pfeife.
„Gwan!“ rief seine Frau aus der Küche, „Sieh nur!“ - ihr aufgeregter Ton durchbrach seine Gedankengänge. Er wußte, daß seine sonst so bedächtige Frau, fast nie aus der Ruhe zu bringen war und ging rasch in die Küche. Sie presste ihre Nase an die mit Eisblumen dekorierte Scheibe und wies nach draußen. Dort saß ein Kind im Schnee, weinte und zitterte, als sei es von Gott und der Welt verlassen. Es war Jenny, die sich verlaufen hatte und sich vor einer eisigen Felsenwand wähnte, an der kein Weg vorbeiführte. Sie sah nicht, daß es gefrorenes Eis des Wasserfalles war und auch nicht das Leuchten aus dem Eisfenster, das zur Küche der Wichtel gehörte. Von außen erkannte man eben ein Wichtelhaus nicht so einfach. Das Leuchten verstärkte sich, als Gwandolin ein Kerzenlicht ans Fenster hielt und damit auf und ab wedelte. Blinzelnd schaute Jenny auf und in dem Moment öffnete sich auch schon die Tür im Felsen und ein Hauch von Duft umwehte sie, als sie Swantje, die nur halb so groß war wie sie selbst sitzend aufragte, auf sich zukommen sah. Vor Schreck weiteten sich ihre Augen und sie ließ ihren Beutel mit den wenigen Habseligkeiten fallen und sprang auf. „Wer..., wer bist du?“ stotterte sie und rieb sich die Augen, da sie meinte zu träumen. „Komm Kleines, ich tue dir nichts“ sagte Swantje sanft und ihre warme mütterliche Stimme ließ alle Furcht in Jenny schmelzen. „Nur herein, wärm dich auf und erzähle...“ forderte sie sie ruhig auf und Jenny stand wie hypnotisiert auf und folgte staunend ins Innere des Hauses. Sie brauchte sich nicht bücken. Die Tür hatte einen Generator, der jeden in die Größe des Wichtelheimes verwandelte, so daß Jenny sich nicht einmal ducken brauchte, um hineinzutreten. Warme, zimtige Luft schlug ihr entgegen und der Orangenpunsch duftete so verführerisch, daß Jenny sofort ein Lächeln ins Gesicht bekam. Ihr kindlicher Instinkt sagte ihr, sie träume entweder so fest wie noch nie oder war wahrlich in eine Zauberwelt katapultiert worden.
Gwandolin, der das Geschehen aus sicherer Entfernung verfolgte, da er wußte, daß seine Frau alles sicher im Griff haben würde, zog sich zurück, um am Kamin mit seinem Urgroßvater in Kontakt zu treten. Aus der Küche drang eine leise Unterhaltung, der er entnahm, daß Swantje Jenny zum Reden gebracht hatte. „REDEN! Das war es doch, was den Menschen immer fehlte. Wer kommunizierte denn dort noch wirklich miteinander in der Welt da draußen? Es war doch mehr ein Aneinandervorbei oder Übereinander, als MITEINANDER“, dachte er. „Nun, was gibt es?“ zischelte die Stimme aus der Glut und durch den Nelkendunst erkannte Gwandolin, daß sein Großvater da war. „Das Mädchen...“ fing er an, wußte, aber daß Jon sein Großvater schon mit der Antwort begonnen hatte: „.. sie ist ein Waisenkind. Ihre Oma ist im Lauf des Jahres verstorben, aber da sie bei einer Pflegefamilie lebt, kam sie zu spät, um noch einmal mit ihr zu sprechen. Sie ist auf dem Weg zu ihr, um sie zu Weihnachten zu besuchen, vielmehr zu ihrem Grab, aber sie glaubt immer noch in ihrem Schock, sie könnte sie antreffen. Hilf ihr... laß sie den sprechenden Kamin benutzen. Ich werde die Seele ihrer Großmutter heute hierherholen.„
Dann verschwand er mit einem Zisch. Gwandolin atmete tief durch. Das hörte sich traurig an, aber er wußte, daß es viele Pfade gab imLeben, die nicht einfach waren, aber an denen man letztlich wuchs im Innern. Ein Reichtum, den einem keiner nehmen konnte. „Erfahrungs-schätze“ nannte er das.
Die andern schliefen noch immer. „Das sonst so hektische weihnachtliche Treiben der Wichtelsippe galt es heute zu verhindern“, dachte er und entzündete Schlafkerzen vor allen Zimmertüren, so daß sich die Zeit strecken und verdoppeln würde. Das sollte reichen... Jenny saß derweil in der Küche und schüttete bei Swantje ihr schweres Kinderherz aus, die sie mittlerweile neben sich sitzen hatte, locker den Arm um ihre Schultern gelegt. Verständnisvoll nickte Swantje immer wieder, schob ihr den ein oder andern Keks zu; Seelenheilkekse, die sie aus einer Intuition heraus mitgebacken hatte. Der Orangenpunsch tat sein übriges, Jennys Seele zu besänftigen. Gwandolin erschien, beugte sich ans Ohr seiner Frau und berichtete. „Komm mit“ sagte Swantje daraufhin zu Jenny, fasste sie an der Hand und führte sie ins Wohnzimmer. Wohlige Wärme empfing sie und Jenny wurde auf das rote Sofa vor dem Kamin geschoben. Swantje nahm neben ihr Platz, deutete auf die Glut, nahm Jennys Hand in ihre und sagte: „Schau nur hin...“ Jenny starrte in die Glut, leicht benebelt von den Seelenheilkeksen fühlte sie eine leichte Berührung auf ihrer Schulter, ein Streicheln über ihr Haar und in den Flammen, die im Kamin tanzten meinte sie ihre Großmutter wachsen zu sehen. Sie seufzte auf, sag kurz Swantje an, die lächelnd nickte und mit der Hand auf die Flammen deutete: „Höre hin“ gebot sie wieder und Jenny hörte die Stimme ihrer Großmutter zwischen dem Knistern der brennenden Scheite. : „Rede mit allen, erzähle, wie wichtig es ist... finde deine Mitte, denn dort bin ich immerdar, in deinem Herzen, in jedem Moment, vergiß das nicht!“ flüsterte sie, flackerte auf und entschwand.
„Und wenn du mich brauchst, brauchst du nur an mich zu denken“ kam noch ein Gedankenfetzen herübergeweht, bevor Jenny sich vor dem Kamin im Pflegeelternheim wiederfand, wo sie erwachte. Es kam Jenny wie Stunden vor, die sie hier gesessen hatte. Sie mußte wohl eingenickt sein. Ihre Pflegemutter hörte sie in der Küche werkeln und sie wußte, sie gab sich alle Mühe, es ihr schön zu machen, besonders an Weihnachten. Jenny wollte gerade aufstehen, da kam ihre Pflegemutter herein. Sie lächelte, fuhr ihr übers Haar und hielt ihr eine Schale Plätzchen hin. „Ich dachte wir machen Orangenpunsch zusammen, kommst du Liebes?“ lächelte sie und hielt Jenny einen Keks hin. Wie merkwürdig! Die Kekse - sie sahen aus wie die in ihrem Traum. Jenny stand auf, leicht verwirrt und als sie beim Hinausgehen einen Blick in den Kamin warf., sah sie ein Flackern und es zischte wie Worte: „Redet miteinander... vergiß nicht, was du gelernt hast!“ Grinsend ging sie in die Küche... Nein! Das würde sie nicht...
(C) BlueStar
Wildes Schneetreiben wirbelte über die Baumwipfel. Der Winter ergoß seine weiße Pracht mit Übermut über die Tannen und Lärchen, die unter der Last zu ächzen begannen. Glänzende Eiszapfen hingen an den Felsen, wo der Wasserfall zu fester Masse erstarrt war. Das Sonnenlicht war verborgen hinter dicken Wolken an diesem Nachmittag. Niemand, der unterwegs war im Winterwald sollte ahnen, daß hier Leben herrschte, tief drinnen, versteckt im Innern des Ringwaldes. Wenige verirrten sich überhaupt dorthin, nur selten und keiner nahm die Düfte und Wärme zur Weihnachtszeit dort wahr, noch hörte jemand, wie die Wichtel ihr Fest dort feierten. Ein fröhlicher Ball, fast nur mit Verwandschaft und besonderen geladenen Gästen. Ein Rausch von Speisen und Heiterkeit begleitet von Querflötenmusik und sinnlichen Momenten sanfter Harfenlieder.
Jenny wanderte durch den Nachmittag auf dem Weg zu ihrer Großmutter, der sie einen Besuch abstatten würde, um übers Wochenende dort zu bleiben. Meist lebte sie bei Ihren Pflegeeltern in der Stadt, doch diesmal hatte sie sich morgens heimlich davongestohlen, um dem neu-reichen Getue am Heiligabend zu entgehen. Ihre allesamt deulich jüngeren Stiefgeschwister in der Pflegefamilie hatten ihr das ganze Jahr zugesetzt und sie sehnte sich nach Ihrer Großmutter und der beschaulichen Stille am Kamin, mit Bratapfelduft und Kuschelei. Man hätte sie nicht gehen lassen, wenn sie darum gebeten hätte, daher fand sie mit ihren 12 Jahren war es Zeit, eigne Wege zu ergründen und ihr Leben zumindest heute einmal in eigne Hände zu nehmen. Sie ahnte nicht, daß sie eine entscheidende Weiche in ihrem Leben gestellt hatte: „...eigne Wege...“ Pfeifend setzte sie raschen Schrittes ihren Weg durch den Schnee fort. Sie wollte vor Einbruch der Dunkelheit da sein.
Räucherduft umwehte die Stille, als Gwandolin seine Pfeife entzündete und durch den Kamin, den er gerade säuberte, den Rauch hochblies. Es war noch 2 Stunden Zeit, bis alle erwachen würden und er, als Oberwichtel, hatte wie jedes Jahr die Aufgabe, allen eine Überraschung zu bereiten. Seine Wichtelfrau Swantje stand derweil geschäftig in der Küche und buk Plätzchen was das Zeug hergab. Zimt und Muskatduft waberte durch die Räume und heißer Orangen-punsch wallte im gußeisernen Kessel vor sich hin und tat sein übriges, eine heimelige Atmosphäre zu verbreiten.
Zufrieden stocherte Gwandolin in der Asche, schichtete dann neuen Tannenreisig auf, der besonderen Duft verbreiten sollte und befragte in Gedanken seinen Urgroßvater, der schon lange tot war, jedoch jedes Jahr um die Zeit vorbeizuschauen pflegte und ihn beriet, wie er die Weihnachtsfeierlichkeiten aufpeppen könne. „Du wirst Besuch erhalten“ flüsterte es auch schon aus der gerade enflammten Glut im Kamin. „Ein Mädchen wird kommen, sie ist allein... auf der Suche nach ihrer Großmutter. Hilf ihr...“ dann zischte es, als ein feuchter Tannenzapfen spritzend Feuer fing und die Stimme erlosch. „Himmel“, dachte Gwandolin, sein Urgroßvater verstand sich aber auf Rätsel! „Was das wohl zu bedeuten hatte? „ dachte er und nahm einen tiefen Zug aus der Pfeife.
„Gwan!“ rief seine Frau aus der Küche, „Sieh nur!“ - ihr aufgeregter Ton durchbrach seine Gedankengänge. Er wußte, daß seine sonst so bedächtige Frau, fast nie aus der Ruhe zu bringen war und ging rasch in die Küche. Sie presste ihre Nase an die mit Eisblumen dekorierte Scheibe und wies nach draußen. Dort saß ein Kind im Schnee, weinte und zitterte, als sei es von Gott und der Welt verlassen. Es war Jenny, die sich verlaufen hatte und sich vor einer eisigen Felsenwand wähnte, an der kein Weg vorbeiführte. Sie sah nicht, daß es gefrorenes Eis des Wasserfalles war und auch nicht das Leuchten aus dem Eisfenster, das zur Küche der Wichtel gehörte. Von außen erkannte man eben ein Wichtelhaus nicht so einfach. Das Leuchten verstärkte sich, als Gwandolin ein Kerzenlicht ans Fenster hielt und damit auf und ab wedelte. Blinzelnd schaute Jenny auf und in dem Moment öffnete sich auch schon die Tür im Felsen und ein Hauch von Duft umwehte sie, als sie Swantje, die nur halb so groß war wie sie selbst sitzend aufragte, auf sich zukommen sah. Vor Schreck weiteten sich ihre Augen und sie ließ ihren Beutel mit den wenigen Habseligkeiten fallen und sprang auf. „Wer..., wer bist du?“ stotterte sie und rieb sich die Augen, da sie meinte zu träumen. „Komm Kleines, ich tue dir nichts“ sagte Swantje sanft und ihre warme mütterliche Stimme ließ alle Furcht in Jenny schmelzen. „Nur herein, wärm dich auf und erzähle...“ forderte sie sie ruhig auf und Jenny stand wie hypnotisiert auf und folgte staunend ins Innere des Hauses. Sie brauchte sich nicht bücken. Die Tür hatte einen Generator, der jeden in die Größe des Wichtelheimes verwandelte, so daß Jenny sich nicht einmal ducken brauchte, um hineinzutreten. Warme, zimtige Luft schlug ihr entgegen und der Orangenpunsch duftete so verführerisch, daß Jenny sofort ein Lächeln ins Gesicht bekam. Ihr kindlicher Instinkt sagte ihr, sie träume entweder so fest wie noch nie oder war wahrlich in eine Zauberwelt katapultiert worden.
Gwandolin, der das Geschehen aus sicherer Entfernung verfolgte, da er wußte, daß seine Frau alles sicher im Griff haben würde, zog sich zurück, um am Kamin mit seinem Urgroßvater in Kontakt zu treten. Aus der Küche drang eine leise Unterhaltung, der er entnahm, daß Swantje Jenny zum Reden gebracht hatte. „REDEN! Das war es doch, was den Menschen immer fehlte. Wer kommunizierte denn dort noch wirklich miteinander in der Welt da draußen? Es war doch mehr ein Aneinandervorbei oder Übereinander, als MITEINANDER“, dachte er. „Nun, was gibt es?“ zischelte die Stimme aus der Glut und durch den Nelkendunst erkannte Gwandolin, daß sein Großvater da war. „Das Mädchen...“ fing er an, wußte, aber daß Jon sein Großvater schon mit der Antwort begonnen hatte: „.. sie ist ein Waisenkind. Ihre Oma ist im Lauf des Jahres verstorben, aber da sie bei einer Pflegefamilie lebt, kam sie zu spät, um noch einmal mit ihr zu sprechen. Sie ist auf dem Weg zu ihr, um sie zu Weihnachten zu besuchen, vielmehr zu ihrem Grab, aber sie glaubt immer noch in ihrem Schock, sie könnte sie antreffen. Hilf ihr... laß sie den sprechenden Kamin benutzen. Ich werde die Seele ihrer Großmutter heute hierherholen.„
Dann verschwand er mit einem Zisch. Gwandolin atmete tief durch. Das hörte sich traurig an, aber er wußte, daß es viele Pfade gab imLeben, die nicht einfach waren, aber an denen man letztlich wuchs im Innern. Ein Reichtum, den einem keiner nehmen konnte. „Erfahrungs-schätze“ nannte er das.
Die andern schliefen noch immer. „Das sonst so hektische weihnachtliche Treiben der Wichtelsippe galt es heute zu verhindern“, dachte er und entzündete Schlafkerzen vor allen Zimmertüren, so daß sich die Zeit strecken und verdoppeln würde. Das sollte reichen... Jenny saß derweil in der Küche und schüttete bei Swantje ihr schweres Kinderherz aus, die sie mittlerweile neben sich sitzen hatte, locker den Arm um ihre Schultern gelegt. Verständnisvoll nickte Swantje immer wieder, schob ihr den ein oder andern Keks zu; Seelenheilkekse, die sie aus einer Intuition heraus mitgebacken hatte. Der Orangenpunsch tat sein übriges, Jennys Seele zu besänftigen. Gwandolin erschien, beugte sich ans Ohr seiner Frau und berichtete. „Komm mit“ sagte Swantje daraufhin zu Jenny, fasste sie an der Hand und führte sie ins Wohnzimmer. Wohlige Wärme empfing sie und Jenny wurde auf das rote Sofa vor dem Kamin geschoben. Swantje nahm neben ihr Platz, deutete auf die Glut, nahm Jennys Hand in ihre und sagte: „Schau nur hin...“ Jenny starrte in die Glut, leicht benebelt von den Seelenheilkeksen fühlte sie eine leichte Berührung auf ihrer Schulter, ein Streicheln über ihr Haar und in den Flammen, die im Kamin tanzten meinte sie ihre Großmutter wachsen zu sehen. Sie seufzte auf, sag kurz Swantje an, die lächelnd nickte und mit der Hand auf die Flammen deutete: „Höre hin“ gebot sie wieder und Jenny hörte die Stimme ihrer Großmutter zwischen dem Knistern der brennenden Scheite. : „Rede mit allen, erzähle, wie wichtig es ist... finde deine Mitte, denn dort bin ich immerdar, in deinem Herzen, in jedem Moment, vergiß das nicht!“ flüsterte sie, flackerte auf und entschwand.
„Und wenn du mich brauchst, brauchst du nur an mich zu denken“ kam noch ein Gedankenfetzen herübergeweht, bevor Jenny sich vor dem Kamin im Pflegeelternheim wiederfand, wo sie erwachte. Es kam Jenny wie Stunden vor, die sie hier gesessen hatte. Sie mußte wohl eingenickt sein. Ihre Pflegemutter hörte sie in der Küche werkeln und sie wußte, sie gab sich alle Mühe, es ihr schön zu machen, besonders an Weihnachten. Jenny wollte gerade aufstehen, da kam ihre Pflegemutter herein. Sie lächelte, fuhr ihr übers Haar und hielt ihr eine Schale Plätzchen hin. „Ich dachte wir machen Orangenpunsch zusammen, kommst du Liebes?“ lächelte sie und hielt Jenny einen Keks hin. Wie merkwürdig! Die Kekse - sie sahen aus wie die in ihrem Traum. Jenny stand auf, leicht verwirrt und als sie beim Hinausgehen einen Blick in den Kamin warf., sah sie ein Flackern und es zischte wie Worte: „Redet miteinander... vergiß nicht, was du gelernt hast!“ Grinsend ging sie in die Küche... Nein! Das würde sie nicht...
(C) BlueStar