neues aus übersee

mirei
vielleicht haben es manche von euch schon gehört - hier ein bericht von einer freundin die dort ist *schluck*

Hallo!
Normalerweise hab ich ja keine Ahnung von Politik und schreibe deshalb auch nie darueber, diesmal muss ich aber eine Ausnahme machen!
In der Zeitung in Oe ist sogar gestanden, dass Ecudor in einer „politischen Kriese“ steckt! Stimmt!
-Bis heute (20.4.05) war der „Praesident“ von Ecuador ein bestimmter Lucio Gutierrez. –Was ich so mitbekommen hab ein ziemlicher Trottel! Er sieht nicht die Lage seines Landes, baut unnuetze internationale Flughaefen im Urwald (oder wollte das zumindest), ist ignorant und nuetzt seine Position nur aus (die Ecuadorianer halten ihn auch fuer einen Diktator). Gibt es eigentlich sonst Laender, in denen ein Praesident einfach „abgesetzt“ wird?
In Oesterreich jedenfalls auf diese Art und Weise und Haeftigkeit sicher nicht! In der letzten Woche hat es taeglich am Abend Demonstrationen gegeben. Vor 4 Tagen sind wir nach Quito gekommen und haben gleich am ersten Abend mitdemonstriert. Es waren zwar nicht umwerfend viele Leute dort, allerdings war es bereits der 6. Tag und Sonntag. Die Leute brachten alte Toepfe mit, mit denen sie Laerm machten, Holzstoeckchen wurden aufeinander geschlaben, Ecuadorflaggen durch die Luft geschwungen,... Einige brachten auch Trommeln oder sonstige laute Musikinstrumente mit, es wurde geschrieen und gesungen und....Pfeiferl wurden um 25 Centavos verkauft => hatten natuerlich auch eine! *gg* Eine Gruppe von jungen Leuten hat sogar Feuergespuckt!!! – Ich hab mich irrsinnig geaergert, dass ich meine Feuerpoi in Tena gelassen habt!
Autos haben den Takt von „Lucio fuera“ oder „Vamos Quito, Quito se atreve, carajo”! (mehr oder weniger uebersetzt: Komm Quito, Quito gibt sich nicht schlagen, verdammt noch einmal) – Die Artenvielfalt an Parolen, die geschrieen oder gesungen wurden war toll!
2 Tage spaeter (vorgestern) waren wir am Nachmittag in Quito unterwegs, da wir verschiedenste Dinge erledigen mussten, als wir erfuhren, dass am Abend ein groszer „marcha“ (Umzug) sein soll der dann zum Regierungspalast fuehrt.
–Es waren unmengen Leute unterwegs (der Umzug war laenger als 6 km lang!!!! Und es sind immer mehr Leute hinzugekommen)!! Wieder mit allen moeglichen laermenden Dingen, in den „Staatsfarben“ (gelb, blau, rot) angezogen, Flaggen und Pfeiferl wurden verkauft, Autos hatten statt den Antennen kleine Plastikfaehnchen,...
Am Schlusz der „marcha“ versammelten sich dann alle auf dem Platz, wobei auch die ganzen Neben- und Hauptstrazsen besetzt wurden, da so viele Leute unterwegs waren.An verschiedensten Straszenecken brannten Feuer – Muell wurde verbrannt, die Luft war rauchig (aber zum Glueck nicht mehr ganz so kalt).
Ganz vorne standen natuerlich Polizisten, und Leute vom Bundesheer
(allerdings Freiwillige). Um den Palast zu verteidigen wurden Rauchbomben, Traenengasbomben und verbotene Pfefferbomben geschossen. Die Situation war sicher nicht ganz so ungefaehrlich, wir waren aber weiter hinten, der Rauch der Bomben kam fast nicht bis zu uns. Die Situation so viele Menschen um mich zu haben war komisch. Wir hatten Rucksaecke und Taschen mit und normalerweise haette relativ leicht jemand was fladern koennen. Die Leute, die dort waren, kamen alle aus einer guten Mittelschicht und es war niemand
daran interessiert etwas zu klauen. Viel mehr war es ein „miteinander“, es gab das gemeinsage Ziel miteinader darum zu kaempfen Luzio zu stuerzen. Man konnte sich mit den Leuten ganz normal unterhalten (ob sie Neuigkeinten haben, was sie dazu sagen,...) ich bekam freundliche Blicke zugeworfen und hatte auch nicht Angst durch eine Massenpanik zertreten zu werden. – Es war eine friedliche Demonstration. – Zumindest in dem Bereich wo wir waren!

Als wir dann schon im Gehen waren, um den letzten Bus zu erreichen begannen ploetztlich alle „asasino! Asasino!“ (moerder! Moerder) zu schreien! Warum? – Ein peruanischer Fotograph war dur dern Rauch der bomben erstickt!!!! Das war arg. Alle Autos hatten Tueren und Fenster offen, Radios waren auf volle Lautstaerke gedreht, Megaphone waren angesteckt. Alle schrien, hupten, pfiffen „asasino“, waren empoert, verzweifelt, frustriert, wuetend,...
Danach gingen wir.
Am naechsten Tag konnten wir nicht nach Quito fahren, da die Straszen gesperrt waren. Aus Guayaquil kamen „Indigenas“ (Eingeborene) um Lucio zu verteidigen. – Indigenas, die ihn verteidigen? Die Leute sind so arm, dass sie sich um 15 Doller „kaufen“ lassen. Sie haben die Gelegenheit zum 1. Mal ihre Stadt zu verlassen, noch dazu gratis, mussen sich dort nor auf die Strasze stellen und bekommen 15 Doller bezahlt!
Aber das hat Lucio zum Glueck nichts mehr gebracht! Zu Mittag hat es
geheiszen, dass die „forza armada“ („bewaffneten Kraefte“ =>Polizei,
Bundesheer) gegen die Praesidentschaft von Lucio ist und kurz darauf hat hoerten wir: „der Ex–Praesident Lucio Gutierrez ist gefluechtet“ (leider wusste niemand wohin, mittlerweile ist er aber im Exil in Brasilien) (die„forza armada“ muss immer auf der Seite der Mehrheit sein, damit es zu keinem Krieg innerhalb des Landes kommt). Schon am Abend gab es ein Interview mit dem Praesidenten (ehemaliger Vizepraesident).
Leider wurden aber viele Leute verletzt. Wie gesagt, es wurden verbotene Pfefferbomben verwendet. Diese wurden in die Menge geschossen und dann haben die „forza armada“ die Leute mit Wasser bespritzt (loest irgendeinenchemische Reaktion aus und das brennt irrsinnig).
Eine 15jaehrige hat eine Bombe im Gesicht getroffen, sie hat eines der Augen verloren. Ein weiterer Mensch ist mit einem Auto des Heeres niedergefuehrt worden, andere wurden mit Steinen verletzt,...
Aber... die Ecuadorianer wollten ihren Praesidenten nicht mehr => auch wenn er nicht will, er muss gehen! *gg*
Die politische Geschichte Ecuadors ist ja ueberhaupt witzig!!! Vor ein paar Jahren gab es einen Praesidenten, namens Abdalan Bucaram. Er war allerdings nur 6 Monate in diesem Amt, dann wurde er auf die selbe Art und Weise „abserviert“. Er war allerdings ein Dieb, da er noch am letzten Tag die Bilder aus dem Regierungspalast gestohlen und Millionen an Dollern in Muellsaecken mitgenommen hat!!! => Exil in Panama.
(noch ein Grund warum Lucio jetzt gesterzt wurde: er hat Bucaram wieder ins Land lassen und dieser wurde bei den Leuten in Guayaquil wie ein Held gefeiert. –Quito ist die Hauptstadt Ecuadors und liegt im Norden, in der Sierra. Guayaquil ist im Sueden, an der Costa und die groesere der beiden Staedte. Allerdings sind die Leute dort viel aermer und die Bildung schlecht)
Danach waere ansich die Vizepraesidentin Praesidentin geworden. In der
ersten Nacht haben sich aber noch 2 andere „wichtige Maenner“ zum
Praesidenen ernannt, weshalb ei eine Nacht und einen halben Tag lang 3 Praesidenten/in gab! Nachdem sich einer der beiden Herrein Stimmen erkauft hatte, bekam er dieses Amt. Nach 8 Monaten wurde allerdings gestuerzt.
Diesmal wurde wirklich der Vizepraes. zum Praesidenten ernannt. Durch
irgeneinen Unfall bekam er eine Gehirnschaedigung und wurde leicht
verrueckt. Nach einem Jahr musste auch er den Palast verlassen und wurde nach dem Versuch die Staatskasse zu leeren eingesperrt. Dann gab es fuer 2 Jahre einen ganz guten Praesidenten. Doch bei den naechsten Wahlen wurde aber Luzio gewaehlt.
Tja, was sagt man dazu? In 7 Jahren, hatte Ecuador 9 Praesidenten!!!
Mehrere Jahre ueber wurde das Land durch seine eigenen Regierungschefs ausgebeutet, aber wie gesagt: „Quito no se atreve, carajo!“
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