Spacekid
Jeder fragt mich, warum ich manchmal so kaltherzig und rauh bin, und warum ich so auf schwarzen Humor abfahre?
Die Erklärung ist einfach. Die ersten Phasen meines Lebens waren voller Verzweiflung, Angst und Leid.
Ich bin 1989 in Almaty (Sowjetunion / heutiges Kasachstan) geboren. Es fing schon einige Tage nach meiner Geburt an. Da ich ein russisches und kein kasachisches Kind war, haben mir die Ärzte (die überwiegend Kasachen waren) so ein Medikament gegeben, welches bei Babys eine Milchallergie hervorrufen kann, und das bewusst, weil ich ein gesundes Kind war und die immer Angst hatten, dass die Russen in Kasachstan zuviel Macht bekommen. Und ich bekam eine, mein Immunsystem wurde dadurch stark beeinträchtigt, ich habe es erst mit 12 geschafft, es zu stabilisieren (durch Sport und div. Thermoregulationsübungen).
Es war also nichts mit Muttermilch. Ich hatte schreckliches seborrhoisches Ekzem (eine Hautkrankheit, wo man gelbliche Schuppen an der Haut hat). Meine Eltern wussten sich nicht zu helfen. Deswgen ergriff mein Vater die Initiative und fuhr 100 km weit, um alternative Lebensmittel für mich zu besorgen, damit ich nicht an Hunger sterbe. Er hat es geschafft, mir eine Mischung aus Getreide zu machen, welche meiner Haut keinen Schaden zufügt. Ich überlebte. Ich bin dafür bis heute meinem Vater unendlich dankbar. Ohne ihn wäre ich jetzt tot. Ein Jahr später konnte ich wieder Milch trinken.
Aber es ging schwer weiter, auch gesundheitlich für mich. Mit drei Jahren (1992) hat mich eine Wespe gestochen, worauf ich einen schweren allergischen Schock bekam. Ich kriegte keine Luft und wurde mit dem Rettungswagen ins städtische Krankenhaus von Almaty gefahren werden. Diesmal hat mein Vater den Ärzten mit Gewalt gedroht, wenn sie mir was falsches geben (er war so'n Bodybuilder *g*). Ich überlebte auch das.
Der Winter 1992/1993 war hart. Wegen der Wirtschaftskrise in Kasachstan gab es kaum Lebensmittel, der kasachische Nationalismus erwürgte uns. Wir wussten was zu tun war, die meisten Verwandten sind schon nach Deutschland ausgesiedelt, nun wollten wir auch weg. Der Antrag auf Asyl in Deutschland wurde erst im Winter 1994 stattgegeben und ausreisen konnten wir erst am 22. März 1994.
Nun wusste ich, dass für mich ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Ich wusste aber nicht, dass es so schlimm wird. Ich hatte mir ein besseres Leben erhofft. Ja, es wurde auch besser, aber es gab auch neue Probleme. Ich konnte nur wenige Worte Deutsch, von daher auch Verständigungsprobleme im Kindergarten. Mit den Erzieherinnen hatte ich nur Probs, weil sie mich wie Dreck behandelten. Meine Eltern mussten während dieser Zeit (Herbst 1994 - Frühsommer 1995) den Sprachkurs besuchen, deswegen war ich im Kindergarten.
Ich war ängstlich und heulte wegen jeder Kleinigkeit, denn ich hatte ständig Angst, weil mein Leben bisher so scheiße war.
Im Herbst 1995 kam ich auch schon in die Schule, die Holzhausener Grundschule in Bad Salzuflen. Nach einem Monate hatte ich schon einen guten Freund, den Goran. Er war zwei Jahre älter als ich, in der 2. Klasse (Sitzenbleiber) aber wir verstanden uns, auch wenn mein Deutsch weiterhin am Arsch war. Wir redeten oft über die neuesten Spielzeuge und so.
Wir wohnten in einer Sozialwohnung, die nur ein Zimmer hatte. Es war manchmal schrecklich langweilig. Im Januar 1996 hatte ich auch schon eine Freundin (Händchen halten und so, ne? *g*), die Aljona. Ich frage mich heute, wie es ihr geht, würde sie gerne sehen. Sie war Russin, deswegen konnte ich mit ihr gut reden.
Im Februar 1996 fanden eine 3-Zimmer-Wohnung im Detmolder Ausländerviertel, in der wir noch heute leben. Ich hatte zuerst Angst, in die große Stadt zu ziehen, irgendwie kam mir alles unheimlich vor. Aber Hauptsache, ich hab mein eigenes Zimmer. Meine Schwester (Halbschwester) wollte bei meinen Großeltern in Herford bleiben, sie ist ja auch 10 Jahre älter als ich.
Die neue Schule (Freiligrath Grundschule Detmold), kam mir unheimlich vor. Aber übelst. Die Kinder waren gewalttätig und krank im Kopf. Ich wurde öfters von Türken aus der dritten Klasse und/oder sogar von den eigenen Klassenkameraden verprügelt. Ich hatte immer blaue Flecken, versteckte es aber immer. Ich hasste somit die Schule, die Leistungen waren nicht so gut, weil ich kein Bock hatte, ich musste immer dran denken, was mich wohl in der nächsten großen Pause erwartet. In der zweiten Klasse war es am schlimmsten, jeden Tag verprügelte mich ein Türke aus meiner Klasse. Es war kaum auszuhalten. Und so ging es weiter bis zum Ende der vierten Klasse. Das war Sommer 1999, ich war 10 Jahre alt und sollte nach den Ferien auf die Realschule 1 Detmold kommen.
Ich wusste sofort: Es ist Zeit zum Handeln !
Ich habe im Kroatienurlaub trainiert, meine Muskeln auf Trab gebracht. Und nach den Ferien ging es los, ich habe diesen Türken so an die Wand geklatscht, der ging heulend und blutend nach Hause. Ich habe ihm die Rechnung auf den Tisch gelegt und gezeigt, wo es lang ging, denn in der Grundschule hatte er zuviele Komplizen. Ich hatte nur Rache im Sinn. Viele können jetzt denken, dass ich damit nicht besser bin, aber naja ich bin ein kleiner Egoist und der Typ sollte bekommen was er verdient hat. Ich kam mit dem in der 5. Klasse in dieselbe Klasse, aber er muckte nie mehr auf. In der 7. ist er sitzengeblieben, und seitdem hab ich nie wieder was von ihm gehört. Er soll homosexuell geworden sein. Von Jahr zu Jahr wurde ich immer selbstbewusster und offensiver.
Ich habe aber auch eine andere Seite, wie meine Freundin bestätigen kann
Heute kann ich Deutsch besser, als so mancher gebürtige Deutsche. Ich bringe damit auch meine Kompetenz im Erlernen von Fremdsprachen zum Ausdruck. Wenn die damaligen Klassenkameraden mich heute sehen würden, würden diese in Ohnmacht fallen und nie glauben, dass es wirklich DER Georg ist, den sie immer rumgeschubst haben. Wenn einer von denen kommt und sagt "Ey du bist so cool, ich hab dich da und da gesehen. Ey weißte noch wir waren auf der selben Schule" da kann ich nur antworten "Man verpiss dich, alter. Ich kenn dich nicht!"
Danke für's Lesen dieses urlangen Beitrages O.o
Die Erklärung ist einfach. Die ersten Phasen meines Lebens waren voller Verzweiflung, Angst und Leid.
Ich bin 1989 in Almaty (Sowjetunion / heutiges Kasachstan) geboren. Es fing schon einige Tage nach meiner Geburt an. Da ich ein russisches und kein kasachisches Kind war, haben mir die Ärzte (die überwiegend Kasachen waren) so ein Medikament gegeben, welches bei Babys eine Milchallergie hervorrufen kann, und das bewusst, weil ich ein gesundes Kind war und die immer Angst hatten, dass die Russen in Kasachstan zuviel Macht bekommen. Und ich bekam eine, mein Immunsystem wurde dadurch stark beeinträchtigt, ich habe es erst mit 12 geschafft, es zu stabilisieren (durch Sport und div. Thermoregulationsübungen).
Es war also nichts mit Muttermilch. Ich hatte schreckliches seborrhoisches Ekzem (eine Hautkrankheit, wo man gelbliche Schuppen an der Haut hat). Meine Eltern wussten sich nicht zu helfen. Deswgen ergriff mein Vater die Initiative und fuhr 100 km weit, um alternative Lebensmittel für mich zu besorgen, damit ich nicht an Hunger sterbe. Er hat es geschafft, mir eine Mischung aus Getreide zu machen, welche meiner Haut keinen Schaden zufügt. Ich überlebte. Ich bin dafür bis heute meinem Vater unendlich dankbar. Ohne ihn wäre ich jetzt tot. Ein Jahr später konnte ich wieder Milch trinken.
Aber es ging schwer weiter, auch gesundheitlich für mich. Mit drei Jahren (1992) hat mich eine Wespe gestochen, worauf ich einen schweren allergischen Schock bekam. Ich kriegte keine Luft und wurde mit dem Rettungswagen ins städtische Krankenhaus von Almaty gefahren werden. Diesmal hat mein Vater den Ärzten mit Gewalt gedroht, wenn sie mir was falsches geben (er war so'n Bodybuilder *g*). Ich überlebte auch das.
Der Winter 1992/1993 war hart. Wegen der Wirtschaftskrise in Kasachstan gab es kaum Lebensmittel, der kasachische Nationalismus erwürgte uns. Wir wussten was zu tun war, die meisten Verwandten sind schon nach Deutschland ausgesiedelt, nun wollten wir auch weg. Der Antrag auf Asyl in Deutschland wurde erst im Winter 1994 stattgegeben und ausreisen konnten wir erst am 22. März 1994.
Nun wusste ich, dass für mich ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Ich wusste aber nicht, dass es so schlimm wird. Ich hatte mir ein besseres Leben erhofft. Ja, es wurde auch besser, aber es gab auch neue Probleme. Ich konnte nur wenige Worte Deutsch, von daher auch Verständigungsprobleme im Kindergarten. Mit den Erzieherinnen hatte ich nur Probs, weil sie mich wie Dreck behandelten. Meine Eltern mussten während dieser Zeit (Herbst 1994 - Frühsommer 1995) den Sprachkurs besuchen, deswegen war ich im Kindergarten.
Ich war ängstlich und heulte wegen jeder Kleinigkeit, denn ich hatte ständig Angst, weil mein Leben bisher so scheiße war.
Im Herbst 1995 kam ich auch schon in die Schule, die Holzhausener Grundschule in Bad Salzuflen. Nach einem Monate hatte ich schon einen guten Freund, den Goran. Er war zwei Jahre älter als ich, in der 2. Klasse (Sitzenbleiber) aber wir verstanden uns, auch wenn mein Deutsch weiterhin am Arsch war. Wir redeten oft über die neuesten Spielzeuge und so.
Wir wohnten in einer Sozialwohnung, die nur ein Zimmer hatte. Es war manchmal schrecklich langweilig. Im Januar 1996 hatte ich auch schon eine Freundin (Händchen halten und so, ne? *g*), die Aljona. Ich frage mich heute, wie es ihr geht, würde sie gerne sehen. Sie war Russin, deswegen konnte ich mit ihr gut reden.
Im Februar 1996 fanden eine 3-Zimmer-Wohnung im Detmolder Ausländerviertel, in der wir noch heute leben. Ich hatte zuerst Angst, in die große Stadt zu ziehen, irgendwie kam mir alles unheimlich vor. Aber Hauptsache, ich hab mein eigenes Zimmer. Meine Schwester (Halbschwester) wollte bei meinen Großeltern in Herford bleiben, sie ist ja auch 10 Jahre älter als ich.
Die neue Schule (Freiligrath Grundschule Detmold), kam mir unheimlich vor. Aber übelst. Die Kinder waren gewalttätig und krank im Kopf. Ich wurde öfters von Türken aus der dritten Klasse und/oder sogar von den eigenen Klassenkameraden verprügelt. Ich hatte immer blaue Flecken, versteckte es aber immer. Ich hasste somit die Schule, die Leistungen waren nicht so gut, weil ich kein Bock hatte, ich musste immer dran denken, was mich wohl in der nächsten großen Pause erwartet. In der zweiten Klasse war es am schlimmsten, jeden Tag verprügelte mich ein Türke aus meiner Klasse. Es war kaum auszuhalten. Und so ging es weiter bis zum Ende der vierten Klasse. Das war Sommer 1999, ich war 10 Jahre alt und sollte nach den Ferien auf die Realschule 1 Detmold kommen.
Ich wusste sofort: Es ist Zeit zum Handeln !
Ich habe im Kroatienurlaub trainiert, meine Muskeln auf Trab gebracht. Und nach den Ferien ging es los, ich habe diesen Türken so an die Wand geklatscht, der ging heulend und blutend nach Hause. Ich habe ihm die Rechnung auf den Tisch gelegt und gezeigt, wo es lang ging, denn in der Grundschule hatte er zuviele Komplizen. Ich hatte nur Rache im Sinn. Viele können jetzt denken, dass ich damit nicht besser bin, aber naja ich bin ein kleiner Egoist und der Typ sollte bekommen was er verdient hat. Ich kam mit dem in der 5. Klasse in dieselbe Klasse, aber er muckte nie mehr auf. In der 7. ist er sitzengeblieben, und seitdem hab ich nie wieder was von ihm gehört. Er soll homosexuell geworden sein. Von Jahr zu Jahr wurde ich immer selbstbewusster und offensiver.
Ich habe aber auch eine andere Seite, wie meine Freundin bestätigen kann
Heute kann ich Deutsch besser, als so mancher gebürtige Deutsche. Ich bringe damit auch meine Kompetenz im Erlernen von Fremdsprachen zum Ausdruck. Wenn die damaligen Klassenkameraden mich heute sehen würden, würden diese in Ohnmacht fallen und nie glauben, dass es wirklich DER Georg ist, den sie immer rumgeschubst haben. Wenn einer von denen kommt und sagt "Ey du bist so cool, ich hab dich da und da gesehen. Ey weißte noch wir waren auf der selben Schule" da kann ich nur antworten "Man verpiss dich, alter. Ich kenn dich nicht!"
Danke für's Lesen dieses urlangen Beitrages O.o